pits aktuelle Kommentare - 2017/1

 

 

   

00-17 Das Rentenniveau alszentrales" Thema im Wahlkampf 2017

 

Das war die Erwartung der „Berliner Zeitung" vor dem Jahreswechsel. So hatte uns Alte und die Gewerkschaftsöffentlichkeit auch der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske orientiert und eine „Großkampagne für höhere Renten" initiiert. – „Die Querköppe", 1/2016

 

Tatsächlich verbinden die verschiedenen Veröffentlichungen mit der Vorausschau auf die Rentenbezüge unserer „NachfolgerInnen" fast immer die Einschätzung der gegenwärtigen.

 

Und die ist ganz überwiegend kritisch.  

 

 

Das geht einher mit der Debatte über fortschreitende Altersarmut. Und – freilich noch sehr zaghaft – mit Niveauvergleichen im Rahmen der OECD, wonach die Bundesrepüublik mit ihrem Rentenleistungen in Europa am unteren Rand rangiert, gerade zwei Drittel des österreichischen Niveaus erreicht.

 

Eigentlich erstaunlich, dass dieser Tatbestand unsere Alten so wenig erregt – das könnte der Wahlkampf ändern. Dazu fordert dreistes Bestreiten dieser Situation seitens des Wirtschaftsflügels der Union sogar heraus.

 

Dem wird die Forderung der SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles nach Stabilisierung des Rentenniveaus bei 50 % vom Lohnniveau vor der Rente freilich noch keineswegs gerecht.

 

Diese Rente rockt nicht!" war eine Schlagzeile von „Neues Deutschland" (26.11.2016). Weiter: „Die Beschlüsse der Großen Koalition lassen viele Fragen offen."

 

Doch der DGB und die in einem "Netzwerk für gerechte Rente" zusammengeschlossenen Sozialverbände zielen behutsam und mit Bedacht auf dieselbe Kerbe. Einen Kontrapunkt dazu setzen Kräfte in der Union, ihnen geht der von Nahles entwickelte Vorschlag einer sogenannten „Haltelinie von 46 % bereits deutlich zu weit". – „Berliner Zeitung", 2.12.2016. Verwegen spricht das Blatt da von einer „Kakophonie der Forderungen" und sinniert, da dürfte es für die WählerInnen nicht einfach sein, den „Durchblick zu bewahren". Doch die Alternativen sind anders gesetzt!

 

Das, was die Koalition von Union und SPD den heutigen und künftigen RentnerInnen real anbietet, ist viel zu wenig", schätzt Matthias Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE, die Koalitionsbeschlüsse und das Konzept des BMAS ein.

 

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen warnt vor einem drohenden Absinken der Rente unter das Niveau der Grundsicherung. Um eine Altersrente oberhalb der durchschnittlichen Grundsicherung in Höhe von 747 € pro Monat zu erhalten, müssten Durchschnittsverdiener aktuell 28,5 Jahre arbeiten, 2045 noch fünf Jahre mehr. – epd 

1.1.2017

 

 

 

 

01-17 Sozialer Frieden? 

  

Den sahen nach Umfrageergebnissen schon vor zehn Jahren „fast zwei Drittel der Bevölkerung ... in naher Zukunft ... gefährdet". Vermutlich inzwischen mehr. Und das nicht erst in naher oder fernerer Zukunft.

   

Das Niveau des minimalen Existenzgeldes bewegt sich aus Sicht der Bevölkerung bei bis zu 580 € im Monat", schrieb damals die „Berliner Morgenpost" (28.8.2007) unter Berufung auf eine Studie der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Wer sich im Internet dazu aktuell informieren will, wird über Begriffserklärungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu der konkreten Information geführt: „Existenzminimum an Hartz IV orientiert".

    

Was bedeuten schon derart Prognosen, könnte man aber fragen. Die amtliche Einschätzung lautet über die Jahre und nahezu unentwegt „Deutschland geht es gut". Die Kanzlerin selber nutzt und schafft sich Gelegenheiten, darauf zu pochen. Mit durchaus beeindruckendem Erfolg. Warnt aber mit einem neuen Video-Podcast: „Nicht auf Erfolgen ausruhen!"

   

Die „Gesellschaft im Übergang", die „Neues Deutschland" vor 10 Jahren ausmachte (23.2.2007), ist freilich in Bewegung. Das bezeugen zeitnah meine Kommentare. Darin wird immer wieder auch der Befund der BAT-Studie „Die Rente ist nicht sicher" von 2007 bestätigt. „Bürger glauben nicht, dass Sozialstaat im Alter Auskommen sichert ...", ist deren Quintessenz.

   

Als Ergebnis der Globalisierung stelle sich „die soziale Frage in neuer Schärfe", ist eine diesbezügliche Parole. 

Die Unionsparteien quälte angesichts dessen schon „Angst vorm Linksruck" eruierte ein dafür sensibles „Neues Deutschland" (5.2.2008). 

Es drohe eine „Renten-Revolution", spitzte die „Neue Osnabrücker Zeitung" die Rentendebatte zu (13.10.2016).   

 

Die „Forgotten People" in den USA und ihre Unberechenbarkeit lehren jetzt auch das europäische Establishment das Fürchten. 

Zugleich wünscht sich JU-Chef Paul Ziemiak einen „Aufstand der Jugend" gegen die Rentenpolitik der Bundesregierung – weil er eine unzumutbare Erhöhung der Rentenversicherungsbeiträge kommen sieht, auf über 20 %, das sei nicht vertretbar. Die Junge Union plädiere dafür, ohne Scheuklappen über längere Lebensarbeitszeit zu reden. Z. wünscht sich, dass alle politischen Jugendorganisationen in seinem Sinne für Generationengerechtigkeit einträten. Und bezeichnet zugleich die Jungsozialisten als „sehr ideologisch geprägt".

   

Die Rentenkampagne der Gewerkschaften könnte sich im Zusammenhang mit dem Bundestagswahlkampf „zu einer großen politischen Debatte über die Zukunft der Republik" entwickeln, erwartet die „Berliner Zeitung".  

25.1.2017

 

 

02-17

Beiderseitig nützliche Patientenkontakte  

 

Eine Milliarde solcher Kontakte hierzulande jährlich – doch, so hat Barbara Klimke für meine Tageszeitung ordentlich recherchiert! – haben die öffentlichen Apotheken.

 

Wer hilft, wenn´s schmerzt und zwackt?" Ihre Mitarbeiterinnen sind dazu ganz sicher erste und so sachkundige wie mitfühlende Gesprächspartnerinnen, noch vor oder auch noch im Anschluss an Arztbesuche. Um anschließend das eine oder andere der um die hunderttausend in Deutschland zugelassenen Medikamente, zum großen Teil erst noch bei Lieferanten geordert oder gar in individueller Rezeptur zubereitet, über den Tresen auszuhändigen.  

 

Solche Gespräche sind von unschätzbarem Wert angesichts öffentlich beklagter Probleme bei der Orientierung der Patienten im Gesundheitswesen. Nach Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK hat etwa jede(r) Zehnte Probleme, ihren/seinen Arzt, die Ärztin zu verstehen. Da gibt es noch einen Befund, wonach weitere 45 % unserer Zeitgenossen Probleme hätten, mit sogar reichhaltigen medizinischen Informationen, durchsetzt allerdings auch mit Werbung der Produktanbieter, klarzukommen, um die beim Umgang mit der eigenen Krankheit zu nutzen, sich selber gesund zu halten.  

 

Die zunehmende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens, insbesondere die Abzocke mittels „individueller Gesundheitsleistungen", IGeL, bewirkt, dass zusätzliche Beratung im Wortsinn Geld wert ist. Dazu wird man sich nicht zuletzt auch an die eigene Krankenkasse wenden.

   

Regionaler Ärztemangel darf hier als Problem nicht unerwähnt bleiben.

   

Als institutioneller Service für Ratsuchende erbietet sich (auch in der ApothekenUmschau) die "Unabhängige Patientenberatung", neuerdings organisiert vom Duisburger Unternehmen Sanvartis, einer auf Medizinwissen spezialisierten Callcenter-Firma, die auf dem Wege der Ausschreibung dafür den Zuschlag erhalten hat. Eine Vorgeschichte, die an der Unabhängigkeit dieser Instanz durchaus zweifeln läßt.

   

Bei alldem ist zu beglückwünschen, wer sich immer wieder mal mit seinem Hausarzt auch über die verordnete Medikation austauschen kann. Möglichst mit Blick auch auf das Handeln der ebenfalls konsultierten Fachärzte.

 

Etwa 60.000 Hausärzte, die meisten Fachärzte für Allgemeinmedizin, garantieren in Deutschland die medizinische Grundversorgung, besuchen auch Patienten zu Hause bzw. in Heimen. Für die Behandlungssteuerung zu den Fachärzten erhält der Hausarzt von der Kasse übrigens ein zusätzliches Honorar.

   

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fordert für die Konsultationen der Patienten ausdrücklich ein Recht auf Verständlichkeit:  

 

5.2.2017

 

 

 

 

 

 

03-17

Armutsberichte passen nicht zur Stimmung

 

So las man es schon mal in der „WELT" (24.2.2016).

 

Jegliche solcher Berichte? Wessen Stimmung? Auch die der Alten? Meinte die Zeitung etwa die Karnevalsstimmung?

Fragen über Fragen!

  

 

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Die reale Stimmung in Stadt und Land, auch außerhalb von Verlagsgebäuden, hat „Das gewerkschaftliche Debattenmagazin Gegenblende", seine Redaktion, veranlasst, „Wandlungen des Armutsverständnisses" nachzugehen. Kein Geringerer als der Kandidat der LINKEN für die Nachfolge im Bundespräsidentenamt, der Sozialforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge von der Kölner Universität, erklärte in seinem Artikel, wer immer es wissen wollte:

 

Armut ist kein Phänomen, das alle Menschen in gleicher Weise wahrnehmen. Es handelt sich vielmehr um ein gesellschaftliches Konstrukt, das Politik, Wissenschaft und Medien entwerfen."

  

 

Dem werden in dieser Allgemeinheit wohl nicht wenige auch der bessergestellten Alten unabhängig von ihrer Parteipräferenz folgen können. Auch wenn sie selber nicht wie der Professor auch heutiges Flüchtlingselend in Betracht ziehen.

 

Dem geht es freilich nicht um ideologische „Entsorgung" der Armut durch Relativierung des Problems. Zur Rechtfertigung unzureichender Sozialpolitik.

  

 

In SPIEGEL-ONLINE wurde so ein Konzept vertreten:

 

Armut kleinreden, damit es keine Wutbürger gibt."

 

Darauf habe ich mich schon in K 13-15 bezogen ­ „Über Politiker, die Altersarmut wie Ulk abtun".

 

Niemand braucht uns nachzuweisen, dass es in Gremien der Unionsparteien und nicht nur da auch Alte gibt, die von Armut überhaupt nicht betroffen sind. Aber dort vorhandener Missgunst gegenüber denen nachzugehen, die Flaschen auf Bahnhöfen sammeln, müssen wir uns nicht verkneifen.

 

Der damalige Linksparteichef Gregor Gysi hat laut TAGESSPIEGEL bereits vor fünf Jahren einen „Gipfel gegen Altersarmut" gefordert. Das Blatt sah ihn sogar im Einklang mit der damaligen Unions-Arbeitsministerin Ursula von Leyen, die es dazu zitierte:

 

Wer weniger als 2500 € monatlich verdient, 35 Jahre lang Vollzeit gearbeitet und keine Zusatzvorsorge betrieben habe, müsse nach derzeitigem Stand „mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten".

 

 

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Der Kabarettist Tobias Mann ironisiert Klimmzüge bezüglich des Sozialen in der ARD-Satire ANSTALT so:

 

Man kann zufriedener sein, wenn man sich nicht so sehr informiert."

  

Wer die Tatsachen offenen Auges wahrnimmt, sie gar selber durch Repressionen der Ämter wahrnimmt, weiß, wovon bei dem hier Abgehandelten die Rede ist.

 

1.3..2017

 

 

 

 

04-17

Die Pflege steckt in einer Armutsfalle"

 

 

Kommt uns das nicht schon ziemlich banal vor? Armut ist eine übergreifende Erscheinung in sozialen Bereichen. Armut hier und da, wo denn nicht?

 

Wo geknappst werden muss, bleiben auch berechtigte Ansprüche leicht auf der Strecke!

 

Die Rentenkampagne der Gewerkschaften hat dem Thema Altersarmut neues Gewicht verschafft. Mit der Überschrift gebe ich Bernhard Schneider das Wort. Der Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege (Devap) Link fordert, die Solidargemeinschaft müsse stärker als bisher Pflegekosten tragen. 

 

 

www.devap.de Gute Pflege kostet, tönt es rundum. Aber die teuerste Pflege sei nicht immer die beste, versuchte Neues Deutschland" auf maßvoll zu orientieren. Inzwischen stecken viele Pflegebedürftige bzw. ihre Familien wegen der zu leistenden wachsenden Eigenanteile in einer Armutsfalle. Laut BGB (§1601) sind Verwandte ersten Grades einander unterhaltspflichtig - Grundlage: „bereinigtes Einkommen", davon sind Versicherungsbeiträge abgezogen. 

 

 

In den Medien wird auch vor „Abzocke mit der Pflege" gewarnt. Das betrifft Heime wie auch ambulante Pflegeleister. Unverzichtbar ist da kundige wie verantwortungsbewusste Beratung, wofür Pflegestützpunkte in Wohnortnähe sich als erste Anlaufpunkte anbieten. Beratungszentren bündeln deren Kompetenzen.

 

Die Behörden verweisen gewöhnlich auf Amtsbetreuer für kundige Beratung im Umgang mit Vorschriften und Instanzen (wofür schon ein pauschalierter Kostensatz verlangt wird). Vermittelt werden da auch Pflegekurse für Angehörige.

 

 

 

Nützliche Adressen für pflegende Angehörige:

 

 

www.wege-zur-pflege.de/pflege

 

www.bmg.bund.de/pflege

 

www.zqp.de

 

www.senporta.de

 

www.pflegelotse.de

 

www.weisse-liste.de/pflege

 

www.senioren-ratgeber.de/pflege

 

www.pflegen-und-leben.de

 

 

 

Finanzielle Unterstützung durch staatliche Leistungen wird bei der Pflegekasse beantragt, die über die jeweilige Krankenkasse zu erreichen ist. Bevor diese bewilligt werden, erfolgt eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, der das Maß der Pflegebedürftigkeit feststellt und nach Pflegegraden (früher Pflegestufen) bewertet.

 

Da stellen sich dann die Fragen nach notwendiger Hilfe – wobei und wofür? Wer diese leistet, um welchen Preis, wie das abzusichern ist. Da lauert oft die oben angesprochene „Armutsfalle".

 

In K16-14 „Pflegereform – das neue Thema 1 der Sozialpolitik" hatte ich vermerkt: Fast die Hälfte der Pflegebedürftigen ist auf die finanzielle Unterstützung durch die Sozialbehörden angewiesen. Die Eigenbeiträge erhöhen sich mit der Zuerkennung höherer Pflegestufen, betrugen 2011 in der höchsten Pflegestufe im Schnitt 1800 € (nunmehr Pflegegrade).

 

 

15.3.2017

 

 

 

05-17  Was tun?" sprach Zeus.

Die Götter sind besoffen."

 

Damit erinnere ich einen Joke aus meiner Jugendzeit, von dem ich meine, dass er gut unsere Gegenwart bezeichnet. Die Medien sind voll von Beschreibungen der Weltlage und der Situation in „Krisenländern", die sich so glossieren lassen.

 

Der ARD-Presseclub (19.2.) schätzte ein, dass wir derzeit einem „Umbau der Weltordnung" beiwohnen. „Was will US-Präsident Trump?, wurde gefragt. „Wie weiter mit Europa?" Das driftet auseinander. Freilich wurde auch beschwichtigt: „Trump wird die Welt nicht auf den Kopf stellen können."

 

Die Berichterstattung der Agenturen zeigte die US-Eliten als Opfer ihrer eigenen Verblendung. Auch die Journalisten dort sahen nicht, was die Menschen eigentlich bewegt. Hiesige Soziologen machen dort nun „starke Meinungsströme" aus, die von den etablierten Parteien nicht abgebildet werden, hierzulande von der AfD als „Abgehängte" gekennzeichnete soziale Strukturen.

 

Die Ratlosigkeit der Analysen tangiert von daher auch die deutsche Innenpolitik, da denke ich an die mittlerweile zugespitzte Gerechtigkeitsdebatte, auch die gewerkschaftlich initiierte Rentenkampagne.

 

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An längerer Lebensarbeitszeit führe kein Weg vorbei, ist man sich weithin irgendwie einig. Dafür finde ich auch bei der AfD-Spitzenfrau Belege. Welch schockierende Übereinstimmung! Ja, die Vertreter oder Verteidiger rentensenkender Politik setzen Akzente, mit denen sie letzlich auch der AfD zuarbeiten – „Missgunst in der Rentendebatte?" K02-17.

Arbeiten bis 100" K16-10, „Rente ab Lebensende" K22-16 – mit den Überschriften

schloss ich mich dem verrückten Spiel an, mit dem sich vorzugsweise Vertreter des Unionswirtschaftsflügels und altenfeindliche Junioren der Union mit immer wieder höheren, ja absurden „Geboten" für das Renteneintrittsalter, für sinkendes Rentenniveau zu Wort melden. Absurd, aber nicht ohne Belang, als zeitgerecht entlarvend. Gleichzeitig werden „Zuverdienste" der Alten zur Normalität hochgeschrieben.

 

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Ein Kommentator der Berliner Zeitung" sah sich unlängst (10.11.2016) angeregt, an eine dem Heute vergleichbare Situation, an das Jahr 1982, zu erinnern, als H. Kohl als Bundeskanzler antrat, und sich legitimiert fühlte, eine geistig-moralische Wende" für das Land auszurufen. Heute haben wir es in ähnlichen Bezügen mit einem SPD-Genossen zu tun, der sich und uns auf seine Kanzlerschaft vorbereitet – als Erneuerer seiner Partei, deren Rückführung zu sozialdemokratischen Werten er dem Wahlvolk in für viele bewegender Weise verheißt.

20.3.2017

 

 

 

 

06-17 

Fehlendes Personal in Kliniken und Heimen - Lösungssuche beschäftigt die Öffentlichkeit

 

 

Die vom SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz entfachten Diskussionen um Hartz IV und den Fachkräftemangel im Sozialen errreichen auch die Unionsparteien, lässt jetzt deren Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung erkennen. Diese verlangt, Langzeitarbeitslose unbezahlt dort einzusetzen, wo Privatiers keine größeren Profite generieren können: im sozialen Sektor.

 

Eben meldete BILD, dass Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU; und CDU-Generalsekretär Peter Tauber den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragt hätten, „die rechtlichen Grundlagen für eine ersatzweise Heranziehung von Hartz-IV-Beziehern“ zu prüfen.

 

Linnemann bestätigte dies dem Blatt:

 

Es darf keine Denkverbote geben. Hartz-IV-Beziehern sollte zugemutet werden können, auch in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern zu arbeiten, um mögliche Engpässe zu überbrücken.“

 

 

Am wenigsten haben doch wohl Denkverbote die andauernde Personalmisere der Sozialeinrichtungen verschuldet. Eher ist da an die „Politik des knappen Geldes“ zu denken, an die gepriesene erfolgreiche Sparpolitik.

Das Statistische Bundesamt registrierte eben für 2016 einen Finanzierungsüberschuss von fast 24 Mrd. €. Das ist der höchste Überschuss seit der Wiedervereinigung.

 

 

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Vor drei Jahren hatte das rheinland-pfälzische Landessozialgericht entschieden, dass Hartz-IV-Betroffene nicht ohne weiteres zur Kinder- oder Seniorenbetreuung verpflichtet werden dürfen, wegen der „hohen fachlichen Anforderungen“ sei solche Zuweisung „nicht für Personen ohne berufliche Erfahrung oder sonstige Vorkenntnisse geeignet“.

 

Wird das der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages (s.o.) berücksichtigen?

 

 

Allerdings hat dpa etwa gleichzeitig verbreitet, in deutschen Altenheimen würden „vermehrt angelernte Helfer für Pflegearbeiten eingesetzt, die sie gar nicht machen dürfen“. In vielen Heimen würden sogenannte Betreuungsassistenten Aufgaben ausgebildeter Pfleger verrichten, was gegen das Gesetz verstoße, schrieb die „Welt am Sonntag“ und berief sich dabei auf eigene Recherchen. Sie müssten etwa Bewohner allein waschen, im Bett lagern und ihnen Medikamente verabreichen.

 

 

Fraglos hängt all das mit der Personalausstattung der Einrichtungen zusammen. Was Krankenhäuser betrifft, meldete ver.di dieser Tage „einen ersten Teilerfolg“. Die beim Bundesgesundheitsministerium angesiedelte Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“ hat öffentlich festgestellt, dass für eine sichere Patientenversorgung und zur Entlastung der Beschäftigten mehr Personal erforderlich ist. Ohne die zahlreichen Proteste und öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Beschäftigten in den letzten Jahren wäre dies nicht möglich gewesen.

 

 

Damit werden freiich die Bilanzen der Einrichtungen ein Stückweit der „Sparwut“, dem ungezügelten Wirken der Marktkräfte entzogen. Dafür sollte es keine Denkverbote geben, greife ich das Stichwort der Unionspolitiker auf, in Erwartung ihres Widerspruchs.

 

1.4.2017

 

 

 

 

07-17 

Wohlstandsquelle Profitorientierung

 

Quelle für welchen, für wessen Wohlstand? Für uns Gewerkschafter ist die gängige Sichtweise der Wirtschaftspolitiker durchaus befremdlich.

 

Kaum ein Boss hat den Beschäftigten wohl je ohne weiteres, ohne „Nachdruck“ zu höheren Löhnen verholfen. Lohnforderungen werden mit Hinweis auf die Geschäftslage gestutzt oder gar rigoros zurückgewiesen.

 

Wer die großen Profite sanktioniert, will auch als Promotor für „Deutschlands Größe“ gelten. Dagegen kann kein Deutscher sein, scheint es vielleicht. Mit dieser Sicht ist man bei den Nationalkonservativen, den Rechten. Wer oder was bewahrt davor und den Folgen?

 

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Das alles betrifft uns Ruheständler zwar nicht mehr unmittelbar. Aber natürlich denken und verhalten wir uns solidarisch mit den Lohnabhängigen, in deren Lage wir auch mal waren.

 

Und unser heutiges Rentenniveau basiert letztlich auf der Entwicklung der Löhne.

 

Von daher haben wir es auch mit jenen Jungen zu tun, die die Sozialpolitik als Bürde für ihre Generation empfinden.

 

Der CDU-Jungwirtschaftspolitiker Jens Spahn ist so einer, dem es nicht in den Kram passt, über Altersarmut zu diskutieren. Wohl am liebsten das ganze Jahr über mit Kölner Karnevalisten singt „Uns jeit et jot!“ - Ihm bestimmt!

 

Armut? Ja, vielleicht unter alleinstehenden jungen Müttern.

 

Ganz sicher brauchen die noch mehr Hilfe und Unterstützung der Kommunen und des Sozialstaates.

 

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Das Wirtschaftswachstum übersteigt die ökologische Tragfähigkeit der Erde“, wendet der Ökonom Uwe Schneidewind vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ein. Er ist Mitglied im Club of Rome und im wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Sch. meint auf Befragen in „biwifo“, Blatt des ver.di-Bundesfachbereiches Bildung.und Wissenschaft, für eine engagierte Ordnungspolitik den Gewerkschaften „Оrientierungsangebote“ machen zu sollen, wohl eine reduzierte, humanisierte Profitorientierung.

 

Wirtschaftswachstum macht uns nicht glücklich“, zitierte die „Вerliner Zeitung“ den Ökonomen Richard Layard mit Bezug auf dessen Buch „Кurswechsel für Politik und Wirtschaft“, Verlag Campus Frankfurt/Main. „Neues Deutschland“ interviewte den Historiker Ferdinand Krauß zu seinem Buch „Wachstum über alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde“.

 

Wo kommt bloß das Wachstum her?“ Die Frage von OXI, 4/2017, Beilage von ver.di-PUBLIK, will nachdenklich machen und führt dabei auch zur widersprüchlichen Rolle der Profite.

 

Die hohen Profite der Pharmaindustrie nehmen die meisten von uns billigend in Kauf.“

 

Aber nicht gezeigte Maßlosigkeit!

 

Siehe auch den WEBTIPP
oxiblog.de/wirtschaftswachstum-die-unglaubliche-karriere!

 

15.4.2017

 

 

 

 

 

 

08-17  Mini- und Multijobber in einem  massenhaft, wo Moneten knapp

 

Ein Thema, das nicht so richtig in diesen Blog für Ruheständler passt,

oder doch?

 

Irritieren nicht solche Überschriften der Zeitungen?

 

Immer mehr Menschen arbeiten noch im Rentenalter“

 

Viele arbeiten über die Rente hinaus“

 

Zahl der Rentner in Minijobs drastisch gestiegen“

 

Fast eine Million Rentner haben Minijobs – ihre Zahl steigt“

 

Waltet da ungebrochene Arbeitsfreude?

 

Verlocken so die Offerten des medial immer wieder hochgepuschten Arbeitsmarktes?

 

Ist es die blanke Not?

 

In Deutschland hat sich die Quote der Erwerbstätigen zwischen 65 und 69 Jahren innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. … Als erwerbstätig gilt, wer mindestens eine Stunde pro Woche arbeitet. Aus den Daten geht nicht hervor, ob Ältere arbeiten, weil die Rente nicht reicht oder ob sie wollen.“ – dpa

 

Ein Wohlstandssymptom? Wo doch die Statistik immer aufs Neue preist, wieviel Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Im Jobmotor Deutschland, das als Vorbild für Europa gilt.

 

Wobei die Qualität der Jobs kaum hinterfragt wird.

 

Versicherungspflichtige Jobs?

 

Die mit 2,6 Mio größte Gruppe seien sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit mindestens einem zusätzlichen Minijob. Hinzu kämen jeweils knapp 280.000 Menschen, die entweder mindestens zwei Minijobs oder mindestens zwei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen nachgingen.“ – epd

 

Minijob als Zuverdienst war gestern – der Multijobber hat sichtlich Zukunft.

 

Dabei sind für ver.di nach sopoaktuell (Nr. 229) Minijobs „Beschäftigungsverhältnisse zweiter Klasse“, größenteils befristet, ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub, Vertretung durch Betriebs- bzw. Personalräte. Von prekären Arbeitsverhältnissen ist die Rede, einst „Markenkern“ des Sozialstaatsabbaus durch Schröder, Rürup, Riester. Paradox, wenn sie jetzt als gefragt erscheinen.

 

Als sie noch die dafür zuständige Ministerin war, sah Ursula von der Leyen (CDU) in der Kombirente das Mittel der Wahl, es für Rentner attraktiv zu machen, weiter in Teilzeit zu arbeiten, ohne dass die Rente gekürzt wird.

 

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Weiterhin beantwortet weniger als die Hälfte der ArbeitnehmerInnen die Frage „Arbeitsfähig bis zur Rente?“ eindeutig mit Ja.

 

Arbeitsfreude hält offenbar wenig davon ab, sich nötigenfalls gar auf die Grundsicherung im Alter einzulassen, sie zu beantragen.

 

Aber man spricht kaum darüber – mit Nachbarn, Kollegen, Bekanntschaften. Ist ja peinlich!

 

15.4.2017