pits aktuelle Kommentare - 2014/3



34-14 Heim oder Seniorendomizil?


Wer in dieser Lage ist und mit seinen Angehörigen so oder so vor schwerer Entscheidung steht, dem wird als „Onliner” im Internet Orientierung angeboten; da gibt es gar die Verheißung, auf diesem Weg „den optimalen Anbieter” finden zu können.

Horror Heim? Auch von solchen Erfahrungen berichten Medien. Nicht alles ist als Sensationshascherei abzutun.

 

Kundige raten unbedingt, bei der Suche nicht nach „Gefühl und Wellenschlag” vorzugehen.

 

„check Dein Heim!" rät der ver.di-Pflegeheim-TÜV mit einem Faltblatt.

 

Weitere Orientierung:

 

www.pflege.de

Die „Domizile” sind auch bloß Heime?

Nicht jedes Heim ist aber ein Domizil, wie schon Angebotsbeschreibungen durchscheinen lassen:

www.pflegemarkt.com/de

Zielgenaue Selektionen, wöchentlich aktualisiert, verspricht:

www.pflegedatenbank.com

 

Gewarnt wird vor Einrichtungen, für die zu gelten scheint, die Pflege lässt zu wünschen übrig, aber wir feiern schöne Feste.


Wofür wohl das Geld reicht? Richtig, auch das gehört in die Überlegungen einbezogen. Angespartes ist oft schnell aufgebraucht.

Wer über die staatliche „Grundsicherung im Alter” verfügt, mag sich nun veralbert fühlen. Ja, auch das Leben im Alter ist kein „Wunschkonzert”.


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Gibt es die besseren Einrichtungen im Westen? Der Blick auf die Löhne der Branche legt so eine Vermutung nahe. Auch nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 werden die rund 780.000 Beschaftigten mit einer (allerdings schrittweise abzubauenden) Ost-West-Differenz der Einkommen „bewertet”.

 

Ver.di fordert für qualifiziertes Pflegepersonal als monatliches Gehalt mindestens 3000 €.

 

Gute Pflege braucht gutes Personal" bestätigt uns das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Gegen den Fachkräftemangel habe man mit Vertretern von Ländern und Verbänden eine Ausbildungsoffensive auf den Weg gebracht.

 

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Ob man es mit der Computerei hat oder nicht, jeder von uns Alten sollte von einem nahe gelegenen „Pflegestützpunkt“ wissen, der eigentlich Stützpunkt zur Information und Vorbereitung auf die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen entsprechender Anbieter ist.


Siehe auch:

 

K 16-14 Pflegereform – das neue Thema 1 der Sozialpolitik

K 03-14 „Platz an der Sonde"! 

21.12.2014

 

 



33-14 Altersarmutnoch immer kein Massenphänomen?


So wird jedenfalls beschwichtigend informiert. Für die per Definition schon jetzt davon Betroffenen – bei Monatseinkommen unter rund 750 € – gäbe es ja die Grundsicherung im Alter.


Dafür weisen die Statistiken zwei Gruppen aus, die Gruppe der Antragsberechtigten und die der Bezieher von Grundsicherung. Es irrt, wer meint, die Zahlen müssten identisch sein oder dicht beieinander liegen.


Ein größerer Teil der Berechtigten verzichtet auf die Antragsstellung, ein sicher kleinerer ist vielleicht ganz arm dran und gar nicht mehr imstande, dem eigenen Interesse zu folgen.

Wer sieht da schon durch? Die Bundesregierung argumentiert gewitzt mit den ganz wenigen Prozenten, macht sich auch die reduzierte Inanspruchnahme der Grundsicherung im Alter zunutze – spielt damit weiter Altersarmut herunter und folgert daraus auch allgemein auf die Zufriedenheit der Alten.

  

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„In Zukunft droht in Folge von Rentenniveauabsenkung und Anhebung des Rentenalters massenhaft Altersarmut und damit ein ganz großes Gerechtigkeitsproblem“, warnte kürzlich der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in einem ganzseitigen (!) Interview für die „Berliner Zeitung“ (25./26.10.). B. hatte darin schon vor fünf Jahren einen „Epochenbruch“ angekündigt gesehen. Ungezählt sind inzwischen solche deutlichen Warnungen auch sozialpolitischer Akteure der ersten Reihe vor dem, was sich da immer mehr auftut.


Vielleicht ebenso breit gefächert sind die Beschreibungen und Analysen von „Gelassenheit“ der Betroffenen gegenüber ihrer Lage.

Diese erscheint durchaus als eine Art „Massenphänomen“ von heute im Vorfeld zunehmender materieller Armut im Kontrast zu kaum behinderter Bereicherung weniger.


Darunter fand ich auch den Hinweis auf die Erscheinung einer posttraumatischen Belastungsstörung, beschrieben von der Schweizer Gesellschaft für Psychiatrie. Die Beobachteten werden als teilnahmslos, gleichgültig, emotionslos gegenüber ihrem Umfeld beurteilt, man liest da gar von „aktivem Vermeiden von Situationen, die an das Trauma erinnern könnten“.


Die Befunde universitärer Sozialkritiker zeigen eine ziemlich ähnliche Wortwahl, wenn sie abnehmendes politisches Engagement der sozial Benachteiligten in Deutschland bis hin zur stetig sinkenden Wahlbeteiligung konstatieren. Doch wird niemand von Medizinern Vorschläge für die Problemlösung erwarten.


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Man spräche von „verschämter“ Altersarmut, weil ältere Menschen in den vergangenen Jahren ihren berechtigten Sozialhilfeanpruch oftmals nicht geltend gemacht haben, schreibt G. Flegel. - Klick


Wer wirklich den Menschen „die Angst vor Altersarmut nehmen“ wolle, müsse die Kürzungsfaktoren aus der Rentenanpassungsformel streichen, sagt dazu der rentenpolitische Sprecher der LINKEN im Bundestag Matthias W. Birkwald.

1.12.2014


 


32-14  Mit Arznei gut versorgt?  Aber nichts hilft mehr?


Eine Situation, der bestimmte Warnungen vorbeugen sollen.


Die aber oft leichtfertig abgetan werden.


Eindrücklicher noch, als es schon geschieht, müsste vor dem Einsatz von Antibiotika in dichter Folge gewarnt werden – von vielen Patienten freilich als allzeit zuverlässige Mittel mit der Erwartung „Viel-hilft-viel" geschluckt.


Diese Präparate werden allerdings sogar zuviel verschrieben, wie der aktuelle Antibiotika-Report der Krankenkasse DAK Gesundheit nachweist. Was Zweifel am Tun der behandelnden Ärzte nährt. Doch weisen deren Vertreter da auf Erwartungen, ja den ausdrücklichen Wunsch der Patienten nach diesen Mitteln hin. Verzwickt?


Ein Report der Techniker Krankenkasse mit ähnlich kritischem Hintergrund wurde vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie als „politisch motiviertes Dokument ohne tragfähiges wissenschaftliches Fundament beschimpft", sehr wohl wissend, „dass es sich bei den Verfassern um erfahrene und anerkannte Experten handelt" – „Neues Deutschland", 21.8.


Ein besonderes therapeutisches Problem sind die durch ungezügelte Gaben herangezüchteten multiresistenten Erreger, weithin bekannt unter dem Stichwort „Krankenhauskeime", die gegen fast jedes der einsatzüblichen Antibiotika resistent sind.


Worauf die Überschrift anspielt.


2013 entfiel ein Viertel aller Verschreibungen laut Forsa auf sogenannte Reserve-Antibiotika. (In Schweden seien es nur 8 % gewesen.) Doch Antibiotika wirken überhaupt nur gegen Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden.


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Wer für sorgsamen Einsatz von Medikamenten eintritt, setzt sich leicht dem Verdacht aus, bloß dem Spareifer von Kassenwarten zuzuarbeiten. Diesen Eindruck möchte vermeiden, wer sich bei seinem Tun ganz und gar Sozialem verpflichtet fühlt.


Im Endeffekt trägt beschriebene „Überversorgung" auch zu steigenden Kosten für Medikamente der Krankenkassen und damit zu höheren KV-Beiträgen bei, wovon dann schließlich unsere eigene Geldbörse betroffen ist.

Die ver.di-NEWS warnten unter „Gesundheitskosten":

„Koalition bürdet künftige Steigerungen allein den Versicherten auf."


Pillen, Tropfen, Salben u.dgl. sind natürlich unverzichtbar, um uns einigermaßen gesund und bei Stimmung zu halten. Dass dies seinen Preis hat, wird uns unablässig vorgerechnet. Jährlich geben gesetzliche Krankenkassen mehr als 30 Mrd. € für die Arzneimittelversorgung aus.


2011 wurde mit dem Arzneimittelneuordnungsgesetz (AM-NOG) eine Nutzenbewertung für alle neuen, aber auch bereits auf dem Markt befindliche eingeführt. Allerdings hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Regelung für Letztere – wegen zu großen Aufwandes – wieder aufgehoben.


Auch deren unerwünschte Nebenwirkungen sollten für Sparsamkeitserwägungen bei Medikamenten aufgeschlossen machen.

Ein Fachmann von Rang, der Vorsitzende der Arzneikommission der Ärzteschaft, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, beklagte eben in einem mehrspaltigen Interview für die „Berliner Zeitung" (6./7.9.) unseriöse Geschäftspraktiken der Pharmafirmen, den Vorrang von Profit und dadurch ausgelöste Interessenkonflikte der Ärzte.

Link



Verschärft wird das Problem noch durch eine profitorientierte Massentierhaltung, die im Überfluss antibiotika als Futterzusatz verwendet, damit die Viecher schnell und sicher schlachtreif werden. Was Spaßmacher meinen, wenn sie Kranken raten, öfter mal ein Brathähnchen zu essen:

„Da ist alles drin.”

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Nicht zu vergessen:

Eine scheinbar hochkritische Öffentlichkeit warnt kaum vor höchst obskuren Angeboten neuzeitlicher Kurpfuscherei.

1.12.2014




 

31-14  De Jecken sin widder los"

 

„Alles halb so schlimm, wenn wir zesamme sin", tönt es wieder vom rheinischen Karneval. 

 

Aus Bonn? Auch. Mehr noch aus Berlin, in ähnlich anmutender Wortwahl von der unschlagbaren uckermärkischen Optimistin im Bundeskanzleramt wie auch von

den rheinländisch durchsetzten Regierungsbänken im Bundestag.

 

„De Sterne schtoon joot?"

 

Die das am Rhein erwartungsfroh besingen, stehen mir näher als die, die bloß immer den Stand von Euro und Dollar, der wirkmächtigsten Börsenkurse im Blick haben.

Unsereins meint mit den Köllner „Räubern" freilich nicht unbedingt den Trupp singender Gitarristen. 

 

Ketzerei? Ja, die Musiker um Willi Ketzer sind auch tolle Burschen.

„Zesammehalt" meint im Karneval nicht unbedingt Tarif„partner". 

 

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Aktuelle Prognosen der Wirtschaftsforscher sehen den Stand der Sterne nicht besonders günstig. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte schon vorgewarnt. Diese Rolle ist ihm freilich jederzeit die liebste. Renten- und Gesundheitsreform seien viel zu teuer. Überhaupt  –  alles was die Alten kosten. Der korrigierte Pflegebegriff  –  der nicht mehr auf Somatisches beschränkte, Demenz ausklammernde hatte ja beschönigt.

 

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„Alles halb so schlimm, wenn ...". Naja unter der obigen Bedingung. 

Ganz ohne Bedingungen macht es Frau M. doch auch nicht. Ihre Hauptbedingung ist, dass wir gemeinsam Ruhe bewahren. Bei Stimmung bleiben und Ruhe bewahren. Darin haben gerade wir wenig Privilegierten sie eigentlich bisher wenig ennttäuscht, bestätigen „Experten" und loben uns dafür mit Blick auf die im letzten Jahrzehnt in Deutschland fast widerstandslos gesenkten Löhne und Renten. 

Ungeachtet sogar von ihr gebrochener Versprechen. 

 

Widerstandslos, behäbig und wohlstandsgeil nennen uns dafür berufsmäßige Spötter in den Medien, zum Beispiel im  MDR  in „Kanzleramt Pforte D".

www.mdr.de.mediathek

 

Wie verstehen wir da, wenn M. dieser Tage fallen ließ, „nichts muss bleiben, wie es ist". Ach ja, das fiel bei einer dieser Einheitsfeiern.

 

Sagt da etwa ein Jeck, „nun mal los"?

 

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Es sind ja sogar wieder Jahreszahlen im Umlauf, die wir als Termine für die Herstellung der deutschen Renteneinheit verstehen sollen. Vielleicht schwört „Mutti" auch wieder auf ein Datum. Nur mal so. Nach dem Motto:

 

„Die Kluge verspricht, und die Jecken freuen sich!"

 

Wer ist so jeck?

21.11.2014