Humor sei, wenn man trotzdem lacht, sagt der Volksmund.

 

Humor als zeitgerechte Lebenshilfe, so oder so

Ob Humor Depressiven helfen kann, ist noch nicht ausreichend erforscht. Das hält den Wellness-Markt nicht davon ab, Humortraining anzubieten.
Nicht nur für SeniorInnen, die nicht mehr jeden Tag so gut „drauf“ sind.

Klar, dass Kabarettisten da berechtigt ein reizvolles Betätigungsfeld sehen.

„Die Zukunft sieht für den über 40-Jährigen düster aus“, resümierte ein Rezensent ein Programm von Thomas Reis in Kissingen.
Das ZDF-Programm „Neues aus der Anstalt“ (nächste Seite!) mit Urban Priol und Erwin Pelzig ist wesentlich Therapie für resignierende Alte. Für Reis ist Kabarett „humoristische Altenpflege“.
So habe ich schon mal einen meiner Kommentare überschrieben und bezog mich dabei auf ver.dis „Tipps zum Umgang mit der Angst“. Link

Merke: Über das Lachen ist Ernstes besser zu vermitteln! Doch zugleich ist das Ernste lachend leichter zu „verschmerzen“; das ist aber nicht so ganz unbedenklich, weil es die Abwehr derer schwächt, denen Übles zugefügt werden soll.

Zu unterscheiden weiß der ernsthafte Humor-Fan zwei Typen:
- Der Humor des Comedian veralbert bloß – plapperlaplapp, und was wird da schlicht schallend gelacht!

Augen auf, aber nicht zu weit! Politik hinterfragen? Ach was! Hauptsache Spaß! Eher wird noch über Politikerschelte geschimpft. Ganz auf der Wellenlänge der bundesamtlichen Schönredner!  -  In diese Kategorie passen auch die Blödelbarden. Das ist nun wirklich keine Fürsprache, so groß der Jubel auch ist, den manche von ihnen auslösen..
- Der Humor des (politischen) Kabarettisten relativiert, beschwichtigt nicht, er klärt auf, nutzt dazu die „Konturenverschärfung“, damit deckt er auf, spitzt zu, übertreibt, das alles aber recht zielgenau, mit ätzendem Hohn und Spott – ganz im Einvernehmen mit Erfahrungen eines kritischen Publikums. Beim Zuschauer verbindet sich Hochgefühl darüber, dass „verbale Schläge“ sitzen, mit „befreiendem Lachen“ (Schmunzeln, Kichern).

In galligen Witzen entlädt sich wütende Respektlosigkeit vor dem Anspruch auf Duldung von vorgeblich Alternativlosem. 

Das so gewonnene Wohlbefinden hat wenig zu tun mit einer bestimmten „heiteren Gelassenheit" der Verfechter des positiven Denkens, die den Blick für Kritikwürdiges „entschärfen" kann.

 

Joachim Ringelnatz (1883-1934), Dichter / Satiriker zwischen Absurdem bis Tiefsinn, urteilte so:

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass der Kragen platzt."

 

Die Barden der Comedy-Szene bringen ihn zum Platzen, aber weiter lösen sie nichts.


Um nicht missverstanden zu werden: Gegen auch derben Humor ist wenig einzuwenden. Doch echter Humor kommt eher verschmitzt als brüllend daher.

Freilich: Wenn regelrechte Verspannungen zu behandeln sind (s.o. - Depressionen), da soll sich eine Art befreiender Urschrei bewährt haben.

Richtiges Lachen löst es nur bei denen aus, die bereits „angegackert" sind.


Leider nicht mehr regelmäßig auf einem Sender:


Georg Schramm
Der Systemkritische unter den Kabarettisten, bekannt vor allem aus seiner Zeit bei „Neues aus der Anstalt“, in jungen Jahren auch Gewerkschaftsfunktionär, setzt Maßstäbe für das Verständnis von „Humor als Waffe“ in der politischen Auseinandersetzung.
Er personifiziert die Vergnügen bereitende zornige Bosheit, gestützt auf soziale Einsichten und Erfahrungen, betreibt rückhaltlose Verteidigung der Bürgerrechte gegen Machtspiele und Sonderinteressen.

 

 

WARNUNG

Obrigkeitshörige fühlen sich von solchem Humor regelmäßig abgestoßen.